Freitag, 11. Juli 2014

Immer wenn der leine Affe schläft


immer, wenn der kleine Affe schläft
Anna Frontzeck


Wisst Ihr, wer der kleine Affe ist? - Nein? – Na, dann hört gut zu!

Der kleine Affe ist ein ganz besonderes Tier. Er ist so klein, dass wir aufpassen müssen, ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Der kleine Affe ist ungefähr so groß, dass er in Eure Hand passt. Er hat ein kuschelig braunes Fell am ganzen Körper und einen wuschlig weißen Schwanz, mit dem er sich an den Bäumen des Waldes festklammern kann. Zwei kleine, schwarze Augen schauen neugierig aus seinem Gesicht in die Welt hinaus, dazwischen ragt eine rosarote Stupsnase hervor, und von beiden Seiten des Kopfes stehen zwei spitze Ohren ab. Am Ende der beiden Ohren wachsen weiße Fellbüschel, die sie im Winter warm halten. - Seht Ihr, wie niedlich der kleine Affe in die Welt hinausguckt?
Natürlich hat der kleine Affe auch eine Affenmama und einen Affenpapa. Mit ihnen lebt er in einer kleinen Höhle auf einem großen, uralten Baum in der Mitte des Waldes. Dort ist es sehr kuschelig warm, und sie sind geschützt vor Regen, Sturm und Schnee. - Tagsüber macht der kleine Affe gerne lange Spaziergänge mit Affenmama. Da der kleine Affe noch sehr klein ist und Affenmama ihn nicht verlieren möchte, muss er sich dabei ganz fest an Affenmamas Rücken festhalten und gräbt dabei seine kleinen Pfoten in ihr Fell. So fällt er nicht hinunter, wenn sie von Baum zu Baum springen und das Leben im Wald genießen. Nachdem sie stundenlang von Ast zu Ast hüpfen, die leckersten Blätter und Nüsse finden und die lustigsten Spiele spielen, kehren sie glücklich und müde zu ihrem Baum zurück. Dort wartet der Affenpapa bereits mit dem Abendbrot auf sie, denn es wird draußen schon dunkel.
Bald nach dem Abendbrot muss der kleine Affe ins Bett. - Ihr denkt jetzt bestimmt, dass der kleine Affe das genauso wenig mag wie ihr, aber da irrt ihr Euch. Der kleine Affe freut sich sehr, er hat nämlich ein Geheimnis, von dem keiner etwas weiß. Nachdem Affenmama dem kleinen Affen das Gesicht gewaschen und die Ohren gebürstet hat, klettert der kleine Affe in sein weiches, warmes Bett und kuschelt sich ein. Ihr werdet es nicht glauben, der kleine Affe freut sich so sehr, im Bett zu sein, dass er fast Angst hat, vor Freude nicht einschlafen zu können. - „Aber,“, werdet Ihr jetzt fragen und die Nase rümpfen, „worauf freut sich denn der kleine Affe so sehr?“. - Ich weiß, dass Ihr es sehr doof findet, ins Bett zu gehen und das nicht verstehen könnt. – Also, hört gut zu, und ich erzähle weiter...
Der kleine Affe liegt nun in seinem Bett und schließt die Augen. Freudig kuschelt er sich in seine Decke und atmet ein und aus. Er atmet direkt in sein kleines Affenherz hinein, und dann bemerkt er, wie es in seiner Brust zu leuchten beginnt. Zuerst leuchtet es ganz sanft und warm, allmählich leuchtet es immer stärker und wärmer. Fast ist es so, als hätte jemand eine Kerze in seinem Inneren angezündet, die leicht und leise in seinem Herzen scheint und deren Leuchten immer größer wird. Bald erfasst es seinen ganzen Körper und ihm ist, als würde er schweben. So schön ist dieses Gefühl, wie eine Mischung aus Rosenblüten, Gummibärchen und Brausepulver, und es kribbelt, als würde Eure Mami Euch ganz fest in den Arm nehmen! Und dann, als der kleine Affe schon denkt, er würde zerspringen, so schön ist das Gefühl, springt er wirklich, mitten hinein in das Leuchten in seinem Herzen, und er fliegt in dem Licht und den Funken, die im Dunkeln glitzern.
Langsam macht er die Augen auf und steht mitten auf einer grünen Wiese voller Blumen und Schmetterlingen. Die Sonne scheint ihm aufs Fell, und es ist ganz warm und still um ihn herum. Da hört er ein Rufen. Es klingt wie ein Band aus kleinen silbernen Glöckchen. Er schaut sich um. "Kleiner Affe, kleiner Affe!", ruft die Stimme und kommt immer näher. - "Ahh..., da bist du ja endlich, kleiner Affe! Ich habe dich schon erwartet. Wieso kommst du denn so spät?" – Nanu, werdet Ihr denken, wer ist denn das? - Seht hin, denn da kommt doch wahrhaftig eine kleine Fee auf unseren Affen zugeflogen. Sie sieht sehr komisch aus, könnte man sagen. Ihr Kleid ist aus vielen bunten Stofffetzen zusammengenäht. Ihre Haut schimmert grünlich, sie hat lange grüne Ohren, die vom Kopf abstehen, und ihre Haare schimmern lila. Ihre Flügel flattern aufgeregt auf und ab, und um sie herum glitzert Feenstaub in der Luft. - Nein wirklich, so kann man doch nicht herumlaufen, ähh... herumfliegen, denkt Ihr jetzt vielleicht und grinst. Aber, so ist das mit Feen. Feen sind eben keine besonders vernünftigen Wesen, und es ist sehr schwer, eine Fee dazu zu bewegen, sich ordentlich zu kleiden. Und gerade unsere kleine Fee ist ein besonders schwerer Fall von Unordnung. - So oder so, da stehen sie nun, der kleine Affe und die kleine Fee und lächeln sich an. Der kleine Affe und die kleine Fee sind nämlich Freunde, und immer wenn der kleine Affe schläft, treffen sich die beiden im Feenland. Nun wisst Ihr auch, was das Geheimnis vom kleinen Affen ist.
"Ich habe eine Überraschung für Dich, kleiner Affe.", sagt die kleine Fee. Dann greift sie nach einem blauen Samtbeutel, der an ihrem Gürtel hängt, öffnet ihn und greift hinein. Ehe der kleine Affe sich versieht, pustet sie ihm eine Handvoll Zauberstaub ins Gesicht. Der kleine Affe niest und will gerade schimpfen und laut rufen: "Spinnst du?", da nimmt die kleine Fee seine Hand und sagt: "Und jetzt spring!" - Also springt der kleine Affe in die Luft und zu seiner Verwunderung landet er nicht wieder auf dem Boden sondern er fliegt! - Ja, der kleine Affe kann plötzlich richtig fliegen und dreht sich fröhlich in der Luft um seine eigene Achse. Da ist der kleine Affe der kleinen Fee auch nicht mehr böse, weil sie ihm den Zauberstaub ins Gesicht gepustet hat. Sie hat es ja nicht so gemeint. Er findet, es ist sehr schwer, der kleinen Fee lange böse zu sein, besonders da es so schön ist, durch die Luft zu fliegen.
Hand in Hand fliegen sie höher und höher dem Himmel entgegen. Bald sind sie so hoch, dass sie die Wiese unter sich nicht mehr erkennen können, und hier und da saust schon eine Sternschnuppe an ihnen vorbei. - "Die nächste Sternschnuppe schnappen wir uns!", ruft die kleine Fee. Gesagt, getan! Als die nächste Sternschnuppe vorbeisaust, packt der kleine Affe kurzerhand zu. Mit einer Hand hält er sich an der Sternschnuppe fest, mit der anderen an der Elfe, und so sausen sie in Lichtgeschwindigkeit einmal durchs Universum. Was es nicht alles zu entdecken gibt in diesem riesigen Universum! Sterne und Spiralnebel glitzern und funkeln in allen erdenklichen Farben um sie herum. Schwarze, grüne und blaue Löcher verschwinden plötzlich im Nichts. - "Wenn ich sage: Jetzt!, dann lässt du los!", ruft die kleine Fee. - "Jetzt!" - Der kleine Affe lässt die Sternschnuppe los und landet überrascht auf einem Asteroid. Der ist riesig und schwarz, und die Landung ist etwas unsanft. Der kleine Affe reibt sich die Stelle, auf die er gefallen ist.
"Wenigstens haben wir den Bus nicht verpasst.", sagt die kleine Fee und plappert weiter drauf los: "Weißt du, Asteroiden sind nämlich im Gegensatz zu dem, was sie auf der Erde sagen, nicht nur leblose Steine. Nein, sie sind die Busgesellschaften des Universums. Sie treiben nicht nur ziellos durch das All, sie sind sozusagen so etwas wie ein riesiges Busunternehmen. Die großen Steine führen uns kreuz und quer durchs Universum und kosten nichts. Ist das nicht wundervoll? Die Fahrkarte bekommt man durch ein Lächeln. Es kann einem allerdings passieren, dass man, wenn man mal schlecht drauf ist, ein paar Tage warten muss, bis man mitgenommen wird."
"Die Fahrkarten bitte!", unterbricht da ein kleiner, dicker Troll die kleine Fee; der kleine Affe und die kleine Fee lächeln ihm strahlend entgegen. Der Troll zieht zwei Schmetterlinge aus seiner Tasche und lässt sie eine Weile über ihren Köpfen schweben, dann zerplatzen die beiden Schmetterlinge über ihnen. Ein glitzernder Funkenregen ergießt sich über sie und bleibt an ihrem Haar kleben. - "An der Milchstrasse bitte links! Wir möchten zur Kassiopeia, der Sternschildkröte, denn wir haben einen Brief für sie.", sagt die kleine Fee artig und macht einen höflichen Knicks. Der kleine Affe sieht sie überrascht an, aber bei Feen weiß man ja nie!
Sie sitzen eine Weile da und schauen auf das Sternbild, das um sie herum in tausend Farben zu spielen scheint. Sie sehen den großen Bären an sich vorbeiziehen, und das Zeichen der Zwillinge tanzt an ihnen vorüber. Irgendwann ruft der kleine Troll ihnen zu: "Zur Milchstrasse links! Nächster Halt!". Sie packen ihre Sachen zusammen, hüpfen an der Milchstrasse links heraus und stehen inmitten der funkelnden Sterne. Der kleine Affe setzt sich auf den Boden, legt seine Arme um die Knie und murmelt bedrückt: "Ich habe Hunger!". Dabei sieht er so bekümmert aus, dass die kleine Fee am Liebsten laut gelacht hätte, doch das wäre nun wirklich nicht höflich. Deshalb gluckst sie nur vergnügt und setzt sich neben den kleinen Affen auf den Boden. "Mach dir keine Sorgen, im Universum werden fast alle Wünsche sofort erfüllt und bestimmt...", sie bricht ab, denn in der Nähe schallt ein lautes Rufen. Durch die Stille der Sterne dringt: "Simitci, simitci, frische Sesamkringel!!!" - "Wir haben Glück!", ruft die kleine Fee und springt auf. "Frische Sesamkringel! Komm!" Der kleine Affe folgt ihr und ist sehr verwundert darüber, dass mitten im Himmel ein türkischer Sesamkringelverkäufer herumläuft und seinem Gewerbe nachkommt. Nach einer kleine Weile kommen sie an den Rand eines Waldes, und dort steht ein Simitciverkäufer, der ihnen gerne einige Sesamkringel und ein Glas Milch gibt. Er verlangt dafür kein Geld, sondern bittet sie nur, die alte Sternschildkröte von ihm zu grüßen, bevor er verschwindet. Mit dem Gebäck und der Milch in den Händen klettern sie nun auf einen Baum, und dort schmeckt ihnen das Essen gleich doppelt so gut. - "Das ist das Beste was ich je gegessen habe.", schmatzt die kleine Fee. - "Mmmh...", schmatzt der kleine Affe zurück und grinst. Es geht ihm sehr viel besser, nachdem er gegessen hat.
Nachdem sie ihr Mahl beendet haben, machen sie sich auf den Weg zu der großen Sternschildkröte Kassiopeia. Sehr weit ist es nicht. Als sie angekommen, stehen sie vor einem riesigen Hornberg, dessen Eingangshöhle mit einer Tür verschlossen ist. Sie klopfen und warten geduldig, denn sie wissen ja, dass Schildkröten sich sehr langsam bewegen und es etwas länger dauern kann, bis Kassiopeia die Tür erreicht. Nach einer Weile öffnet sich die Tür, eine kleine goldene Schildkröte mit weisen alten Augen schaut ihnen entgegen. - "Ja bitte?", fragt sie mit einer zittrigen Stimme. - "Guten Tag, Frau Sternschildkröte,", sagte die kleine Fee, "wir haben eine Einladung für Sie von meiner Tante, der großen Fee. Sie bittet Sie recht herzlich, zu ihrem Geburtstag in einer Woche vorbeizukommen. Sie hofft, dass Sie pünktlich kommen. Bitte, machen Sie sich bald auf den Weg." - Die Sternschildkröte strahlt, als sie die Worte der kleinen Fee hört, sie nimmt die Einladung mit Freude entgegen und verspricht, sich schon am nächsten Morgen auf den Weg zu machen.
Die Tür des Hornberges schließt sich, die kleine Fee greift den kleinen Affen bei der Hand. "Jetzt“, sagt sie „ist es aber höchste Zeit, nach Hause zu kommen. Es wird ja schon hell. Am besten verzichten wir auf den Bus und nehmen den Zauberstaub. Ich hoffe, unsere kleine Reise hat dir gefallen.", und sie nimmt den kleinen Beutel aus ihrer Tasche. "Ja sehr!", antwortet der kleine Affe. - "Schön, aber nun mach lieber die Augen zu!" Der kleine Affe schließt seine Augen, die kleine Fee greift in den Beutel und pustet eine Handvoll Zauberstaub in sein Gesicht. - "Ha,...ha,...hatschie!“, niest der kleine Affe.
Als er seine Augen wieder öffnet, ist die kleine Fee verschwunden, und er liegt wieder in seinem Bett. Nur aus der Ferne hört er sie noch rufen: "Bis morgen, kleiner Affe!". Er murmelt: "Gute Nacht, kleine Fee! - Ich hab dich lieb!". Dann hört er, dass Affenmama im Nebenzimmer das Frühstück macht. Er springt aus dem Bett, rennt hinüber und wirft sich in ihre Arme.
„Du wirst es nicht glauben, was ich erlebt habe!“, sagt er, als er sich ankuschelt. „Soll ich es Dir erzählen?“


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen