immer,
wenn der kleine Affe schläft
Anna Frontzeck
Wisst Ihr, wer der kleine Affe ist? -
Nein? – Na, dann hört gut zu!
Der kleine Affe ist ein ganz besonderes
Tier. Er ist so klein, dass wir aufpassen müssen, ihn nicht aus den
Augen zu verlieren. Der kleine Affe ist ungefähr so groß, dass er
in Eure Hand passt. Er hat ein kuschelig braunes Fell am ganzen
Körper und einen wuschlig weißen Schwanz, mit dem er sich an den
Bäumen des Waldes festklammern kann. Zwei kleine, schwarze Augen
schauen neugierig aus seinem Gesicht in die Welt hinaus, dazwischen
ragt eine rosarote Stupsnase hervor, und von beiden Seiten des Kopfes
stehen zwei spitze Ohren ab. Am Ende der beiden Ohren wachsen weiße
Fellbüschel, die sie im Winter warm halten. - Seht Ihr, wie niedlich
der kleine Affe in die Welt hinausguckt?
Natürlich hat der kleine Affe auch
eine Affenmama und einen Affenpapa. Mit ihnen lebt er in einer
kleinen Höhle auf einem großen, uralten Baum in der Mitte des
Waldes. Dort ist es sehr kuschelig warm, und sie sind geschützt vor
Regen, Sturm und Schnee. - Tagsüber macht der kleine Affe gerne
lange Spaziergänge mit Affenmama. Da der kleine Affe noch sehr klein
ist und Affenmama ihn nicht verlieren möchte, muss er sich dabei
ganz fest an Affenmamas Rücken festhalten und gräbt dabei seine
kleinen Pfoten in ihr Fell. So fällt er nicht hinunter, wenn sie von
Baum zu Baum springen und das Leben im Wald genießen. Nachdem sie
stundenlang von Ast zu Ast hüpfen, die leckersten Blätter und Nüsse
finden und die lustigsten Spiele spielen, kehren sie glücklich und
müde zu ihrem Baum zurück. Dort wartet der Affenpapa bereits mit
dem Abendbrot auf sie, denn es wird draußen schon dunkel.
Bald nach dem Abendbrot muss der kleine
Affe ins Bett. - Ihr denkt jetzt bestimmt, dass der kleine Affe das
genauso wenig mag wie ihr, aber da irrt ihr Euch. Der kleine Affe
freut sich sehr, er hat nämlich ein Geheimnis, von dem keiner etwas
weiß. Nachdem Affenmama dem kleinen Affen das Gesicht gewaschen und
die Ohren gebürstet hat, klettert der kleine Affe in sein weiches,
warmes Bett und kuschelt sich ein. Ihr werdet es nicht glauben, der
kleine Affe freut sich so sehr, im Bett zu sein, dass er fast Angst
hat, vor Freude nicht einschlafen zu können. - „Aber,“, werdet
Ihr jetzt fragen und die Nase rümpfen, „worauf freut sich denn der
kleine Affe so sehr?“. - Ich weiß, dass Ihr es sehr doof findet,
ins Bett zu gehen und das nicht verstehen könnt. – Also, hört gut
zu, und ich erzähle weiter...
Der kleine Affe liegt nun in seinem
Bett und schließt die Augen. Freudig kuschelt er sich in seine Decke
und atmet ein und aus. Er atmet direkt in sein kleines Affenherz
hinein, und dann bemerkt er, wie es in seiner Brust zu leuchten
beginnt. Zuerst leuchtet es ganz sanft und warm, allmählich leuchtet
es immer stärker und wärmer. Fast ist es so, als hätte jemand eine
Kerze in seinem Inneren angezündet, die leicht und leise in seinem
Herzen scheint und deren Leuchten immer größer wird. Bald erfasst
es seinen ganzen Körper und ihm ist, als würde er schweben. So
schön ist dieses Gefühl, wie eine Mischung aus Rosenblüten,
Gummibärchen und Brausepulver, und es kribbelt, als würde Eure Mami
Euch ganz fest in den Arm nehmen! Und dann, als der kleine Affe schon
denkt, er würde zerspringen, so schön ist das Gefühl, springt er
wirklich, mitten hinein in das Leuchten in seinem Herzen, und er
fliegt in dem Licht und den Funken, die im Dunkeln glitzern.
Langsam macht er die Augen auf und
steht mitten auf einer grünen Wiese voller Blumen und
Schmetterlingen. Die Sonne scheint ihm aufs Fell, und es ist ganz
warm und still um ihn herum. Da hört er ein Rufen. Es klingt wie ein
Band aus kleinen silbernen Glöckchen. Er schaut sich um. "Kleiner
Affe, kleiner Affe!", ruft die Stimme und kommt immer näher. -
"Ahh..., da bist du ja endlich, kleiner Affe! Ich habe dich
schon erwartet. Wieso kommst du denn so spät?" – Nanu, werdet
Ihr denken, wer ist denn das? - Seht hin, denn da kommt doch
wahrhaftig eine kleine Fee auf unseren Affen zugeflogen. Sie sieht
sehr komisch aus, könnte man sagen. Ihr Kleid ist aus vielen bunten
Stofffetzen zusammengenäht. Ihre Haut schimmert grünlich, sie hat
lange grüne Ohren, die vom Kopf abstehen, und ihre Haare schimmern
lila. Ihre Flügel flattern aufgeregt auf und ab, und um sie herum
glitzert Feenstaub in der Luft. - Nein wirklich, so kann man doch
nicht herumlaufen, ähh... herumfliegen, denkt Ihr jetzt vielleicht
und grinst. Aber, so ist das mit Feen. Feen sind eben keine besonders
vernünftigen Wesen, und es ist sehr schwer, eine Fee dazu zu
bewegen, sich ordentlich zu kleiden. Und gerade unsere kleine Fee ist
ein besonders schwerer Fall von Unordnung. - So oder so, da stehen
sie nun, der kleine Affe und die kleine Fee und lächeln sich an. Der
kleine Affe und die kleine Fee sind nämlich Freunde, und immer wenn
der kleine Affe schläft, treffen sich die beiden im Feenland. Nun
wisst Ihr auch, was das Geheimnis vom kleinen Affen ist.
"Ich habe eine Überraschung für
Dich, kleiner Affe.", sagt die kleine Fee. Dann greift sie nach
einem blauen Samtbeutel, der an ihrem Gürtel hängt, öffnet ihn und
greift hinein. Ehe der kleine Affe sich versieht, pustet sie ihm eine
Handvoll Zauberstaub ins Gesicht. Der kleine Affe niest und will
gerade schimpfen und laut rufen: "Spinnst du?", da nimmt
die kleine Fee seine Hand und sagt: "Und jetzt spring!" -
Also springt der kleine Affe in die Luft und zu seiner Verwunderung
landet er nicht wieder auf dem Boden sondern er fliegt! - Ja, der
kleine Affe kann plötzlich richtig fliegen und dreht sich fröhlich
in der Luft um seine eigene Achse. Da ist der kleine Affe der kleinen
Fee auch nicht mehr böse, weil sie ihm den Zauberstaub ins Gesicht
gepustet hat. Sie hat es ja nicht so gemeint. Er findet, es ist sehr
schwer, der kleinen Fee lange böse zu sein, besonders da es so schön
ist, durch die Luft zu fliegen.
Hand in Hand fliegen sie höher und
höher dem Himmel entgegen. Bald sind sie so hoch, dass sie die Wiese
unter sich nicht mehr erkennen können, und hier und da saust schon
eine Sternschnuppe an ihnen vorbei. - "Die nächste
Sternschnuppe schnappen wir uns!", ruft die kleine Fee. Gesagt,
getan! Als die nächste Sternschnuppe vorbeisaust, packt der kleine
Affe kurzerhand zu. Mit einer Hand hält er sich an der Sternschnuppe
fest, mit der anderen an der Elfe, und so sausen sie in
Lichtgeschwindigkeit einmal durchs Universum. Was es nicht alles zu
entdecken gibt in diesem riesigen Universum! Sterne und Spiralnebel
glitzern und funkeln in allen erdenklichen Farben um sie herum.
Schwarze, grüne und blaue Löcher verschwinden plötzlich im Nichts.
- "Wenn ich sage: Jetzt!, dann lässt du los!", ruft die
kleine Fee. - "Jetzt!" - Der kleine Affe lässt die
Sternschnuppe los und landet überrascht auf einem Asteroid. Der ist
riesig und schwarz, und die Landung ist etwas unsanft. Der kleine
Affe reibt sich die Stelle, auf die er gefallen ist.
"Wenigstens haben wir den Bus
nicht verpasst.", sagt die kleine Fee und plappert weiter drauf
los: "Weißt du, Asteroiden sind nämlich im Gegensatz zu dem,
was sie auf der Erde sagen, nicht nur leblose Steine. Nein, sie sind
die Busgesellschaften des Universums. Sie treiben nicht nur ziellos
durch das All, sie sind sozusagen so etwas wie ein riesiges
Busunternehmen. Die großen Steine führen uns kreuz und quer durchs
Universum und kosten nichts. Ist das nicht wundervoll? Die Fahrkarte
bekommt man durch ein Lächeln. Es kann einem allerdings passieren,
dass man, wenn man mal schlecht drauf ist, ein paar Tage warten muss,
bis man mitgenommen wird."
"Die Fahrkarten bitte!",
unterbricht da ein kleiner, dicker Troll die kleine Fee; der kleine
Affe und die kleine Fee lächeln ihm strahlend entgegen. Der Troll
zieht zwei Schmetterlinge aus seiner Tasche und lässt sie eine Weile
über ihren Köpfen schweben, dann zerplatzen die beiden
Schmetterlinge über ihnen. Ein glitzernder Funkenregen ergießt sich
über sie und bleibt an ihrem Haar kleben. - "An der
Milchstrasse bitte links! Wir möchten zur Kassiopeia, der
Sternschildkröte, denn wir haben einen Brief für sie.", sagt
die kleine Fee artig und macht einen höflichen Knicks. Der kleine
Affe sieht sie überrascht an, aber bei Feen weiß man ja nie!
Sie sitzen eine Weile da und schauen
auf das Sternbild, das um sie herum in tausend Farben zu spielen
scheint. Sie sehen den großen Bären an sich vorbeiziehen, und das
Zeichen der Zwillinge tanzt an ihnen vorüber. Irgendwann ruft der
kleine Troll ihnen zu: "Zur Milchstrasse links! Nächster
Halt!". Sie packen ihre Sachen zusammen, hüpfen an der
Milchstrasse links heraus und stehen inmitten der funkelnden Sterne.
Der kleine Affe setzt sich auf den Boden, legt seine Arme um die Knie
und murmelt bedrückt: "Ich habe Hunger!". Dabei sieht er
so bekümmert aus, dass die kleine Fee am Liebsten laut gelacht
hätte, doch das wäre nun wirklich nicht höflich. Deshalb gluckst
sie nur vergnügt und setzt sich neben den kleinen Affen auf den
Boden. "Mach dir keine Sorgen, im Universum werden fast alle
Wünsche sofort erfüllt und bestimmt...", sie bricht ab, denn
in der Nähe schallt ein lautes Rufen. Durch die Stille der Sterne
dringt: "Simitci, simitci, frische
Sesamkringel!!!" - "Wir haben Glück!", ruft die
kleine Fee und springt auf. "Frische Sesamkringel! Komm!"
Der kleine Affe folgt ihr und ist sehr verwundert darüber, dass
mitten im Himmel ein türkischer Sesamkringelverkäufer herumläuft
und seinem Gewerbe nachkommt. Nach einer kleine Weile kommen sie an
den Rand eines Waldes, und dort steht ein Simitciverkäufer, der
ihnen gerne einige Sesamkringel und ein Glas Milch gibt. Er verlangt
dafür kein Geld, sondern bittet sie nur, die alte Sternschildkröte
von ihm zu grüßen, bevor er verschwindet. Mit dem Gebäck und der
Milch in den Händen klettern sie nun auf einen Baum, und dort
schmeckt ihnen das Essen gleich doppelt so gut. - "Das ist das
Beste was ich je gegessen habe.", schmatzt die kleine Fee. -
"Mmmh...", schmatzt der kleine Affe zurück und grinst. Es
geht ihm sehr viel besser, nachdem er gegessen hat.
Nachdem sie ihr Mahl beendet haben,
machen sie sich auf den Weg zu der großen Sternschildkröte
Kassiopeia. Sehr weit ist es nicht. Als sie angekommen, stehen sie
vor einem riesigen Hornberg, dessen Eingangshöhle mit einer Tür
verschlossen ist. Sie klopfen und warten geduldig, denn sie wissen
ja, dass Schildkröten sich sehr langsam bewegen und es etwas länger
dauern kann, bis Kassiopeia die Tür erreicht. Nach einer Weile
öffnet sich die Tür, eine kleine goldene Schildkröte mit weisen
alten Augen schaut ihnen entgegen. - "Ja bitte?", fragt sie
mit einer zittrigen Stimme. - "Guten Tag, Frau
Sternschildkröte,", sagte die kleine Fee, "wir haben eine
Einladung für Sie von meiner Tante, der großen Fee. Sie bittet Sie
recht herzlich, zu ihrem Geburtstag in einer Woche vorbeizukommen.
Sie hofft, dass Sie pünktlich kommen. Bitte, machen Sie sich bald
auf den Weg." - Die Sternschildkröte strahlt, als sie die Worte
der kleinen Fee hört, sie nimmt die Einladung mit Freude entgegen
und verspricht, sich schon am nächsten Morgen auf den Weg zu machen.
Die Tür des Hornberges schließt sich,
die kleine Fee greift den kleinen Affen bei der Hand. "Jetzt“,
sagt sie „ist es aber höchste Zeit, nach Hause zu kommen. Es wird
ja schon hell. Am besten verzichten wir auf den Bus und nehmen den
Zauberstaub. Ich hoffe, unsere kleine Reise hat dir gefallen.",
und sie nimmt den kleinen Beutel aus ihrer Tasche. "Ja sehr!",
antwortet der kleine Affe. - "Schön, aber nun mach lieber die
Augen zu!" Der kleine Affe schließt seine Augen, die kleine Fee
greift in den Beutel und pustet eine Handvoll Zauberstaub in sein
Gesicht. - "Ha,...ha,...hatschie!“, niest der kleine Affe.
Als er seine Augen wieder öffnet, ist
die kleine Fee verschwunden, und er liegt wieder in seinem Bett. Nur
aus der Ferne hört er sie noch rufen: "Bis morgen, kleiner
Affe!". Er murmelt: "Gute Nacht, kleine Fee! - Ich hab dich
lieb!". Dann hört er, dass Affenmama im Nebenzimmer das
Frühstück macht. Er springt aus dem Bett, rennt hinüber und wirft
sich in ihre Arme.
„Du wirst es nicht glauben, was ich
erlebt habe!“, sagt er, als er sich ankuschelt. „Soll ich es Dir
erzählen?“
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